Theorie

Bindungstheorie

Bindung entsteht durch Kommunikation. Da Säuglinge gut hören sind Sprechen und Augenkontakt ganz enorm wichtig. Viele Menschen, die selbst keine Erfahrungen als Eltern haben, glauben manchmal, eine Auseinandersetzung mit Kindern ist erst möglich, wenn das Kind sprechen gelernt hat, aber so gut wie alle Mütter und die meisten Väter wissen, dass das Gespräch bereits mit der Schwangerschaft beginnt. Feinfühliger Körperkontakt, zärtliche Interaktion und körperliche Nähe sind ebenfalls Grundlage einer guten Bindung. Das Kind lernt mit den positiven Erfahrungen. Alle negativen frühkindlichen Erlebnisse sorgen dafür, dass Kinder sozial isoliert und in allen Bereichen zurück bleiben, die für eine gute Kindheit wichtig sind. Die ersten Erlebnisse mit dem Kindergarten sind ein guter Gradmesser dafür, wie sicher die Bindung des Kindes ist. Obwohl die meisten Kinder bei den ersten Malen noch weinen und scheinbar untröstlich sind, wenn die Eltern es dort allein lassen, akzeptieren gut gebundene Kinder sehr rasch die neue Situation. Bereits im Säuglingsalter lassen sich Bindungsstörungen gut erkennen, wenn sie es (auch kurzfristig) nicht aushalten, dass Mama oder Papa nicht im selben Zimmer sind. Dabei treten komplizierter Weise auch große Unterschiede auf, was einzelne Elternteile oder Bezugspersonen betrifft. Dort wo Bindung schwach ist, reagiert das Kind bei der einen Person gar nicht und bei der anderen Person sehr heftig. Bindungsstörungen treten als Extreme auf. Entweder ist das Kind panisch und hält auch kurze Trennungen nicht aus, oder es reagiert völlig unbeteiligt, wenn diese Person nicht da und freut sich auch nicht, wenn sie wieder kommt. Aber wenn Eltern willens sind, sich mit dem Problem auseinander zu setzen, können Bindungsstörungen rasch und einfach überwunden werden.

Täterarbeit

Wir sehen es auch als eine unserer Aufgaben an, mit Tätern und Täterinnen zu arbeiten. Wissen wir doch aus eigener Erfahrung – die meisten Täter und Täterinnen waren selbst einmal Opfer von Gewalt in der Kindheit. Als Gruppe von Betroffenen von Gewalt in der Kindheit können wir daher nicht einfach mit einem Feindbild arbeiten, unsere Angebote müssen sich an beide Seiten einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Erwachsenem und Kind richten.

Neue Autorität

Die neue Autorität ist ein Weg, wie Kindererziehung funktionieren kann, ohne Distanz zu schaffen. Dieser Denkansatz stammt aus der Aufarbeitung verschiedenster Erziehungsstile und deren Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein und die Konfliktlösungskompetenz. Die neue Autorität beruht auf der Erkenntnis, dass Autorität sehr wohl eine wichtige Rolle in der Erziehung spielt, allerdings wird eine neue Form der Autorität benötigt, eine Autorität, die Nähe schafft, statt Furcht und Distanz.

Prävention

Aus unserer Sicht, als von Gewalt in der Kindheit Betroffene, haben Menschen, die etwas mitbekommen haben von der Gewalt, die gegen uns ausgeübt wurde, nur sehr selten etwas unternommen, um uns zu helfen. Im Normalfall drehen sich Menschen einfach weg, wenn mitbekommen, dass ein Kind schlecht behandelt wird. Das sehen wir heute als Erwachsene immer noch und wir bekommen diese Rückmeldung auch von Mitarbeiter:innen der Kinder- und Jugendhilfe. Warum ist das so? Unsere erste Ideen sind, die Menschen wissen nicht, wie sie unterscheiden können, ob ein Kind jetzt gerade die Eltern zur Weißglut gebracht hat und deshalb die Nerven einmal gerissen sind oder ob das Kind immer wieder einem gewalttätigen Umgang ausgesetzt ist. Und selbst wenn man öfter Gewalt gegen das Kind wahrnimmt – der Ruf von Heimen und anderen Aufbewahrungsstätten ist so schlecht, dass es vielen Menschen nicht als Möglichkeit der Hilfe erscheint, das „Jugendamt“ zu informieren. Wir haben auch das Primat der Eltern, ihr Kind nach eigenem Gutdünken zu erziehen, wo sich niemand einmischen oder einen Konflikt riskieren möchte. Leider bekommen wir von den Ämtern immer wieder die Rückmeldung, sie erfahren von den Fällen immer erst, wenn es bereits zu spät ist. Wenn die Kinder verbrannt oder verbrüht wurden, die Knochen gebrochen wurden, Drogen verabreicht, sie vergewaltigt wurden.

Daher haben wir uns folgende Projekte überlegt:

Kurs

Wir laden alle Interessierten zu einem Kurs ein, wo sie Teil des Dorfes werden können, das es braucht, um ein Kind zu erziehen. Sie lernen wahrzunehmen, ob ein Kind öfter Gewalt ausgesetzt ist und was dann zu tun ist.

Netzwerk

Wir bauen an einem Netzwerk, dem Dorf, das es braucht, um ein Kind zu  erziehen. Kursteilnehmer:innen werden von uns immer wieder auf dem Laufenden gehalten und bekommen auch ein Skillstraining, wie man helfen kann und dabei aber abgegrenzt bleibt.

Deeskalation

Das Wichtigste für die Kinder in solchen Familien, ist eine Entspannung der alltäglichen Situation zu erreichen. Wir trainieren in kommunikativer Deeskalation, damit die Aggression der Eltern sich weder gegen das Kind noch gegen einen selbst richtet. Wer sich intensiver mit der Situation auseinandersetzen möchte – wir bilden auch Angel aus.

Angel

sind Mitglieder des Vereins, die direkte Besuche bei Familien machen, um Hilfe anzubieten und Vertrauen aufzubauen. Es geht um eine Entlastung im Alltag, der oft schwer ist. Wenn die Entlastung aber nicht zu einer Verbesserung der Situation führt, bleibt nur die Kindesabnahme.