Unsere Erfolgsgeschichten

;

Success-Stories

Als Betroffene von Gewalt in der Kindheit ist es sehr schwer, sich Ohnmacht und Ausgeliefertheit, Schwäche und Unmöglichkeit, sich wehren zu können, anders zu erklären als durch eigene Defizite. „Wenn ich groß bin, dann…“ bekommt eine andere Bedeutung als bei Menschen mit normaler Kindheit. Daher fehlt sehr vielen von uns ein gesunder Selbstwert, stattdessen sind wir mit Gefühlen im Überfluss konfrontiert und der permanenten Gefahr, das Verhalten anderer Menschen falsch zu interpretieren. Aber viele von uns entwickeln aufgrund einer harten Kindheit auch positive Eigenschaften – für sie selbst oder andere. Empathie, die Möglichkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen, die Schlimmes durchgemacht haben oder eine besondere Verbindung zu Wissen oder eine Lust auf Selbstdisziplin, Engagement für eine Sache – alles, wenn es für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit oder die sinnvolle Unterstützung anderer eingesetzt wird, kann viel Gutes bewirken. Unsere Successstorys sind der Beginn einer Reise zur Bewusstwerdung dieser positiven Anteile der schlechten Kindheit. Sie sind kein Ersatz für Therapie oder eine andere Bearbeitungsalternative – aber sie taugen als Ergänzung, um sich über die Auswirkungen der harten Kindheit klarzuwerden und leisten ihren Anteil bei der Bewusstwerdung des gesamten Umfangs der Auswirkungen.

Mein Bruder

Meine Kindheit war voller Action. Es war immer was los. Ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen, drei Brüdern und zwei Schwestern. Ich bin das fünfte von sechs Kindern. Es war schon eine sehr eigene Atmosphäre bei uns zu Hause. Es gab jede Menge ungeschriebene Gesetze. Eines der wichtigsten Gesetze, war das Recht des Älteren. Jeder musste seine älteren Geschwister respektieren und auf sie hören. Es gab also eine klare Hierarchie in meiner Familie.

Mein Vater hatte eine schwere Virusinfektion und verlor so Schritt für Schritt die Funktionalität seiner Leber. Als ich neun Jahre alt war bekam mein Vater eine neue Leber und verbrachte eine lange Zeit im Krankenhaus. Damals wusste ich nicht, wie es um ihn stand. Meine Mutter erzählte sehr wenig und wenn nur Positives, dass es Papa eh bald wieder besser gehen wird. Erst als ich älter wurde erfuhr ich, dass es meinen Vater viele Monate gar nicht gut ging, und die Ärzte ihm wenig Überlebenschancen einräumten.

Meine Mutter war in dieser Zeit fast jeden Tag im Spital, wir Geschwister waren meist nur am Wochenende besuchen oder sporadisch unter der Woche. Mein kleiner Bruder war noch zu jung, daher hatte ihn meine Mutter meist mit, wenn sie im Spital meinen Vater besuchen war. Zu dieser Zeit passte mein ältester Bruder viel auf mich auf.

Mein Bruder war im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, also mitten in seiner Pubertät und plötzlich wurde er in die Vaterrolle geworfen. Er trug die Verantwortung über mich. Meine Schwester war zwar die Älteste, sie gab jedoch die Verantwortung des Aufpassens auf mich gerne an ihn ab. Er hatte eine sehr schwere Pubertät, geprägt von Wutanfällen und Zornausbrüchen die nicht nur einmal in körperliche Gewalt endeten. Ich kam nie gut mit ihm klar, ich fürchtete mich die meiste Zeit und konnte sein irrationales Verhalten als Kind nie nachvollziehen. Er war auch lustig auf seine Weise, jedoch konnte ich nie abschätzen wann seine Stimmung von lustig auf ernst umschwenkte. Das führte dazu, dass er mich oft anbrüllte, schupste und manchmal auch schlug. Umso älter mein Bruder wurde umso schlimmer wurde sein Verhalten. Oft wenn er auf mich aufpasste, sperrte er mich ins Kinderzimmer, bis meine Mutter wieder nach Hause kam. Ich hatte so große Furcht vor meinen großen Bruder, dass wenn ich aufs Klo musste, während ich eingesperrt war, hielt ich es so lange zurück, wie ich nur konnte, um mich meinen Bruder nicht stellen zu müssen.

Heute ist mein Bruder, genauso wie ich, ein erwachsener Mann mit Kindern. Die körperliche Gewalt hat er abgelegt, andere aggressive Verhaltenszüge entdecke ich noch heute immer wieder an ihm. Ich komme mit ihm mittlerweile einigermaßen klar, die damals entstandenen Narben wirken allerdings bis heute auf unsere Beziehung.

Meine kalte Mutter

Es gibt Frauen, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich ist, Sympathie und Liebe Ihren eigenen Kindern zu zeigen und sie eher distanziert und Kühl wirken. Wenn Sie so jemanden kennen und Sie dachten, dass diese Frauen einfach so sind und das nichts Außergewöhnliches ist dann bitte lesen Sie sich diesen Text durch, denn diese Frauen, diese Mütter sind laut Definition Eine kalte Mutter.

Eine kalte Mutter ist laut Definition eine Mutter, die es nicht schafft, ihrem Kind weder Liebe noch Zuneigung zu geben.

Für mich ist eine kalte Mutter eine Mutter, die ihr eigenes Berufsleben bzw. ihre eigenen Wünsche vor dem Muttersein stellt, eine kalte Mutter ist eine Mutter, die bei Verletzungen im Haus schaut, ob nicht was kaputt gegangen ist, bevor sie sich um das Kind kümmert und manchmal auch das Kind dafür bestraft das etwas kaputt gegangen ist egal ob dieses Kind Verletzungen davongetragen hat oder nicht.

Die Definition der Mutterliebe lautet laut Wikipedia wie folgt: „Als Mutterliebe bezeichnet man die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern, im engeren Sinne eine vor allem durch die Geburt herausgehobene besonders starke Gefühlsbindung zu ihren leiblichen Kindern.“

Was muss also passieren das die eigene Mutter diese Gefühle nicht mehr hat?

Die fehlende Mutterliebe kann sich zu einem Trauma entwickeln vor allem, wenn diese Mutter das Kind auch noch emotional missbraucht.

Das schwierigste an einer kalten Mutter – Kind – Beziehung ist meiner Meinung nachfolgendes:

Das Kind wünscht sich dich Zuneigung und Liebe der Mutter und da man sowas nur schwer von anderen Menschen bekommen kann, kann dieses Kind die Mutter nicht aufgeben und setzt sich immer wieder von ihr unter Druck und lässt sich emotional Manipulieren.

Es ist auch nicht so als würde sich die Mutter nicht um das notwendigste Kümmern, nur Liebe kann Sie nicht zeigen.

Ein Typisches Beispiel für eine Manipulation der kalten Mutter ist folgendes: Man bekommt Liebe von Ihr, wenn folgendes erledigt wird, man bekam liebe von ihr, wenn Ihre Meinung geteilt wird und dieser Meinung vor anderen Menschen zugestimmt wird. Allerdings geben Sie keine Liebe mehr weiter wenn Sie sich verraten fühlen oder man von Ihnen weggeht. Und so ist es immer ein hin und her, die Mutterliebe die eigentlich von Natur aus vorhanden sein sollte bekommt das Kind im Austausch für etwas als eine Art Währung. Und sogar die liebe die man dann von Ihnen bekommt waren keine Umarmungen oder eine andere angemessene Zuneigung. Es wird eher erlaubt mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Es werden Filme angesehen, etwas gemeinsam gebastelt oder einen Ausflug gemacht.

Auch wenn kalte Mütter körperlich da sind im Haus oder in der Wohnung, Sie sind nicht für Ihre Kinder da.

Mit einer kalten Mutter umzugehen ist nicht einfach. Die Väter, wenn vorhanden, müssen die meiste Zeit sowohl die Vater als auch die Mutterrolle übernehmen.

Wer so eine Mutter hat, sollte nicht an die Mutterliebe dieser Frauen hoffen und appellieren, denn diese ist nicht vorhanden und auch mit diesen Frauen darüber zu reden ist schwierig da es den meisten kalten Müttern nicht bewusst ist.

Kalte Mütter haben nie selbst die Schuld an irgendwas, meistens sind es die eigenen Kinder oder deren Väter, von denen Sie sich verlassen fühlen. Für Kinder von solchen Müttern ist es daher sehr schwer Selbstvertrauen zu haben und sie geben sich selbst die Schuld an allem.

Um da rauszukommen, muss man der Mutter verzeihen, und zwar nicht damit sie sich besser fühlt, denn Sie würde nie zugeben, dass Sie etwas Falsches gemacht hat, sondern damit man selbst weiterkommt. Und nicht feststeckt.

Einer kalten Mutter zu entkommen ist nicht einfach und Kinder, die solche Mütter haben, schaffen es sehr oft nicht allein, Sie glauben oft genug, dass das Ihre Schuld oder normal ist. Diese Kinder kennen es nicht anders.

Vatergewalt

Mein Name ist Josef. Ich wurde 1972 geboren. Meine Mutter ist eine bosnische Putzfrau, die 1967 nach Österreich eingewandert ist und zu jener Generation an „GastarbeiterInnen“ gehört, die noch aktiv durch österreichische Politik ins Land gerufen wurde. Ihre Geschichte kann hier nicht Thema sein, aber sie schaffte ihre Integration durch einen harten Bruch mit ihrer Herkunftsfamilie, die sie wegen eines unehelichen Kindes, meinen älteren Bruder, praktisch von zu Hause fortgejagt hatte.

Mein Vater ist ein verkrachter Student aus Oberösterreich gewesen, der zu früh Vater wurde und mit den Belastungen und Verantwortungen nicht zurechtkam. Meine Mutter hat es ihm in dieser Hinsicht nicht leichter gemacht. Ich bin heute selbst ein berufstätiger Familienvater, der zwei Kinder hat und wie viele meiner Generation bemüht ist, die Fehler seiner Eltern nicht zu wiederholen.

Meine Eltern haben geheiratet, kurz nachdem ich zur Welt kam. Es war von Anfang an klar, dass ihre Ehe unter keinem guten Stern stand. Die Eltern meines Vaters lehnten meine Mutter ab und sie verziehen ihrem Sohn niemals, dass er einen „Tschusch“ geehelicht hatte. Warum meine Eltern überhaupt zusammen kamen und fast 15 Jahre lang in ihrer selbst eingerichteten Hölle aushielten ist nicht leicht zu beantworten. Das Zusammentreffen meiner Eltern war nicht vorgesehen. Sie hatten nichts gemeinsam und sind sich bis heute zutiefst fremd. Die auf Überleben und unmittelbar praktische Handlungsfähigkeit ausgerichtete Persönlichkeit meiner Mutter traf auf einen intellektuell hoch begabten, aber lebensunfähigen und selbstbezogenen Mann, weil sie seinen Großvater im Spital kennen lernte, ihn pflegte und dieser beide verkuppelte, weil er dachte, mein Vater benötigte eine Frau in seinem Leben, die ihm ins Leben hineindrängen würde.

Obwohl die ersten Jahre noch gut verliefen kann ich mich an die ersten Gewaltakte erinnern, als ich zumindest vier Jahre alt war. Sie verschlimmerten sich je größer ich und mein drei Jahre jüngerer Bruder wurde. Mein Vater hatte berufliche und finanzielle Probleme, litt an starkem Asthma und wurde durch meine Mutter immer mehr in die Ecke gedrängt. Die Auswirkungen bekamen wir Kinder zu spüren. Gewaltausbrüche, Schläge, Demütigungen waren an der Tagesordnung und dominierten unser Leben. Wir wurden bei geringsten Anlässen gezüchtigt und geschlagen und verprügelt, beschimpft und angeschrien. Je schlimmer mein Vater unter seinen gesundheitlichen Problemen litt und je mehr er sich beruflich und finanziell von einem Desaster zum nächsten bewegte, desto schlimmer wurde die Gewalt, die er ausübte. Obwohl es in der Schule und bei den Nachbarn allgemein bekannt war, habe ich keine einzige Intervention in Erinnerung, um diese Gewalt zu beenden. Es waren die 70er und frühen 80er und das öffentliche Bewusstsein war noch nicht so weit. Ich habe allerdings auch später, als ich älter war niemals irgendwelche therapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Mein Misstrauen gegen jegliches Außen, das mir Hilfe anbieten hätte wollen war viel zu groß.

Meine Mutter hat die Gewalt meines Vaters geduldet und manchmal auch selbst zugeschlagen, wenn es ihr zu viel wurde. Sie hat die Brutalität meines Vaters nicht aktiv gefördert, war aber selbst viel zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, um uns damals und später eine Unterstützung sein zu können, mit der wir diese Erlebnisse hätten bearbeiten können. Mein Bruder und ich leiden heute noch darunter, vor allem hat diese Gewalt einen tiefen Keil zwischen uns getrieben, der uns voneinander entfremdet hat. So wie damals als Kinder sind wir auch heute Konkurrenten um die Pole Position im Opfer sein.  In meinem persönlichen Erleben, an das ich mich erinnere, war diese Situation der täglichen Gewalt vollkommen normal und ich habe sie bis ins frühe Erwachsenalter nie hinterfragt. Erst sehr spät, mit 14 Jahren etwa, fiel mir auf, dass andere Kinder nicht geschlagen wurden und – zum Beispiel – gute Beziehungen zu ihren Großeltern hatten, etwas für mich vollkommen Neues.

Wie habe ich das überwunden?

Meine Eltern haben nicht nur die Ausübung extremer Gewalt an uns Kindern zu verantworten, paradoxerweise haben sie beide Eigenschaften, die zumindest mir (und auch meinen Brüdern, obwohl sie das vielleicht nicht so sehen würden) geholfen haben, über diese Traumata hinweg zu kommen oder sie zumindest bearbeiten zu können.

Meine Mutter hat uns diese gnadenlose Arbeitsmoral vorgelebt, die Selbstmitleid kategorisch ausschließt. Du arbeitest für dein Brot, du bettelst nicht darum und wenn es nicht reicht, arbeitest du härter. Du bettelst nicht, du heulst nicht herum, du stellst dich der Realität. Das hat mir in bestimmten Phasen meines Lebens sehr geholfen.

Mein Vater hat durch seine überdimensionale intellektuelle Begabung eine tiefe Liebe für Bücher bei mir geweckt und Lesen war für mich immer das Fenster zur Welt. Durch Bücher habe ich einen Horizont gesehen, der mich lebendig gehalten hat und die Verzweiflung und das Selbstmitleid in Grenzen hielt. Das Beharren auf Realität und die intellektuelle Auseinandersetzung damit haben mich davor gerettet in Abwege zu geraten, wie sie andere vielleicht gegangen wären. Nachdem ich selbst Vater geworden bin, ist mir klar geworden unter welchem Druck mein eigener Vater gestanden haben muss und viele seiner negativen Verhaltensweisen sind mir an mir selber aufgefallen.  Das hat sein Verhalten nicht entschuldigt, aber mein eigenes Selbstbild relativiert.

Nachdem ich 25 Jahre lang nicht mit meinem Vater gesprochen habe, gab es vor kurzem wieder einen Kontakt mit ihm. Mein Vater hat mich um Verzeihung gebeten, seine Sünden gestanden und seine Reue glaubhaft versichert, also habe ich ihm vergeben und wir reden seither wieder miteinander.

Ich kann nicht sagen, ob dies ein praktikabler Weg für andere ist, vielleicht hatte ich einfach Glück. Aber es ist ein Weg für mich. Ich habe niemals professionelle Hilfe in Anspruch genommen, um mich auf einen Weg der Heilung zu begeben, ich habe dies mit der Hilfe von Freundinnen und Freunden und sehr großen inneren Anstrengungen geschafft. Ich hoffe, dass es andere gibt, die es auch schaffen.

Gewaltprävention

Liebende Eltern, der Vater ist Komponist kurz vor der Entdeckung, die Mutter Sängerin und Malerin, kümmern sich liebevoll um Susi und Werner. Die Kinder – man merkt es schon – sind ebenso musikalisch wie ihre Eltern.  Der Alltag ist liebevoll, Stress wird abgefangen und in Kunst umgewandelt. Klassische Musik ist das Thema, um das sich alles dreht.

Eines Tages entscheidet der Vater, sich einer anderen Frau zuzuwenden.

Die Mutter ist tief getroffen und bleibt mit zwei Kindern allein. Der Bub bekommt eine Meningitis, die sich negativ auf sein Hirn auswirkt und seine Impulskontrolle beschädigt. Die Frau fühlt sich mit allen Problemen allein gelassen und sehnt sich nach einer starken Vaterfigur. Für sich und die Kinder. Und erkennt tatsächlich ihren Vater in einem Mann, den sie in der Oper kennenlernt. Musik beginnt wieder in ihr Leben einzuziehen. Der Mann ist aber dem Vater leider ähnlicher als ihr lieb ist. Er kann mit Kindern gar nicht. Wie ihr Vater. Er verliert schnell die Geduld und beginnt die Kinder, die bisher nur Liebe kennengelernt haben, zu schlagen. Wie ihr Vater ihre Geschwister und ihre Mutter sie selbst. Für Kleinigkeiten. Da ein zerbrochener Teller, dort Widerworte. Schlechte Schulleistungen. Jeder Grund ist dem Mann Recht, um Schläge auszuteilen.

Diese Kinder werden erwachsen. Die Pubertät war hart, Werner kam in schlechte Kreise und kämpft seither mit Alkohol- und anderen Süchten. Susi findet Gewalt an sich schlecht, es sei denn, wenn Flugzeuge in Türme fliegen oder es Busse und Züge zerreißt. Da wehren sich nur Menschen und das ist schon in Ordnung so – man kann ja nicht ewig nur Opfer sein und runterschlucken. Dass eines der eigenen Kinder Opfer einer gewalttätigen Ideologie wird und im Gefängnis landet – einen Zusammenhang mit den eigenen Einstellungen sieht hier niemand.

Psychische Gewalt

Ein erfolgreiches Leben zu führen, bedeutet für mich, mich achtsam in den Moment hinein zu fühlen, meiner Intuition Platz zu schaffen, auf mich – egal unter welchen Umständen – stolz zu sein und beim Blick in den Spiegel lächeln zu können. Das bedeutet nicht, dass ich keine schlechten Tage habe, ich versuche diese im Hier und Jetzt zu akzeptieren und als Mittel zur Heilung anzuerkennen. Denn auch diese Tage haben einen Daseins-Grund. Ob bewusst oder unbewusst, mein (sowie auch jeder andere) Körper merkt sich Begegnungen und speichert diese in Form von Erinnerungen, welche meine Gegenwart prägen, ab. In meinen Händen liegt die Verwaltung dieser Geschehnisse. Wie gehe ich mit den Erinnerungen um? In welchem Maß lasse ich diese Erinnerungen meine Gegenwart beeinflussen?

Heute kann ich nur für mich reden, aber darum geht es in dieser wahren Geschichte auch. Unter Wahrheit verstehe ich das was ich mir über die Jahre als diese geschaffen habe. Somit kann ich nicht ausschließen, dass verzerrte Bilder inbegriffen sind. Als ich mit 15 Jahren im Rahmen einer Familientherapie als depressiv diagnostiziert worden bin, zerbrach ich in Selbstmitleid. Ich, ein „ausländisches“ Kind von geschiedenen Eltern, welches nicht bereit war sich ein neues Leben, in einem völlig fremden Land, aufzubauen, akzeptierte sich nicht als die eigene (potenzielle) Glücksstifterin. Meine Mutter, die ich für die prekäre Lebenslage verantwortlich gemacht habe, und mein Stiefvater, der trotz der vielen gemeinsamen Jahre für mich zu einem fremden Mann geworden ist, waren jahrelang Menschen mit denen ich am meisten Zeit verbracht habe. Ich habe meinen Wert dadurch von ihrer Aufmerksamkeit bestimmen lassen.

Tägliche Streitereien fingen durch ungleiche Meinungen an und hörten mit gegenseitiger Demütigung, Vorwürfen auf unterschiedlichen Ebenen und psychischer sowie physischer Gewalt (von der Seite meines Stiefvaters) auf. Einen Streit habe ich besonders gut in Erinnerung, da er von meiner Mutter beendet worden ist. Bis zu dem Tag konnte ich den Hass immer meinem Stiefvater zuschieben, meine Mutter hat ihn meiner Meinung nach nur wiederholt. Als ich, ungefähr ein halbes Jahr nach der Diagnose, die Treppen zum Wohnzimmer hinunterkam, unterhielten sich meine Mutter und mein Stiefvater bereits über mich und versuchten zu klären, wie es denn nun mit den mir zugeschriebenen Depressionen weitergehen sollte. Ich war wütend, sie taten so als ob es allein meine Schuld gewesen wäre, dass ich krank geworden bin, als ob alles bis jetzt so super gelaufen ist, dass ich nie nur die Möglichkeit dazu gehabt hätte unzufrieden zu sein. Ich warf ihnen Vieles vor, bis meine Mutter (ich nehme an aus Verzweiflung) sagte, dass ich doch vom Balkon springen sollte, wenn es mir in dem von ihnen geschaffenen Umfeld nicht gefällt. Daraufhin fragte ich sie mit Tränen in den Augen, ob sie dies wirklich ernst meinte, sie antwortete mit Bestätigung.

Damals waren ihre harten Worte für mich nur eine Bestätigung, meiner Selbstmordgedanken: „Ich werde nicht geliebt, ich bin nicht wertvoll, ich verdiene es nicht glücklich zu sein. Ich habe keine Zukunft.“ Ich folgte somit ihrem „Rat“ und begab mich auf den Balkon, stellte mir einen Hocker vor die Mauer und stellte mich darauf. Den Blick hinunter sah ich einerseits – in dem Moment – als den einzigen Ausweg, andererseits hat er mir Furcht eingeflößt. Die Angst vor dem Springen hat überwogen, ich fühlte mich wie eine Versagerin, ich konnte nicht einmal etwas einhalten was ich versprach, meine Mutter würde nie Erleichterung fühlen.

Vom heutigen Standpunkt aus sehe ich die Worte meiner Mutter als reine Verzweiflung, Dämonen in mir bekämpfen zu wollen, die auch sie geschaffen hat. Ich schätze mich unendlich glücklich, über Konflikte wie diese reflektieren zu dürfen und muss akzeptieren, dass diese Spuren in mit hinterlassen haben. Mein Weg aus diesen heraus, war alles andere als akzeptierend. Zwei Jahre nach dem oben beschriebenen Ereignis war ich bereit mein „altes ich“ völlig zu löschen und zu verdrängen. Ich suchte die Aufmerksamkeit, welche das Kind in mir nicht bekam, in falschen Menschen und ignorierte die von den Richtigen. Ich endete in einer zweijährigen toxischen und gegen Ende auch gewaltvollen Beziehung. Spätestens nach der Trennung und langer Monate voller Reflexion wurde mir eins klar. Ich kann meine Vergangenheit nicht verdrängen, ich muss sie als einen Teil von mir akzeptieren und mir die Zeit und den Raum lassen dies auch zu tun.

Ich weiß, dass wir alle unsere eigenen Geschichten zu erzählen haben und somit auch unterschiedliche Zugangsweisen zu Möglichkeiten der Selbsthilfe. Mir erlaubt das Kreativ sein, mich auf unterschiedlichen Ebenen auszudrücken, ganz egal ob ich gehört werde oder nicht. Das Ausüben von Alltagsritualen wie Yoga und Meditation, egal ob an guten oder schlechten Tagen sind zu meinen stabilen Anhaltspunkten geworden. Ich lerne zwischen meiner Familie in der Slowakei und in Wien Brücken zu schlagen und mich nicht dafür verantwortlich zu machen, wenn dies nicht immer gelingt. Ich danke meinen Freunden, dass sie mich durch den Prozess – welcher lange nicht zu Ende ist – bei der Hand genommen haben und, dass sie durch diese besondere Art von Verbindung für mich mittlerweile Familie geworden sind. Ich darf Hilfe annehmen, ich bin geliebt, ich bin wertvoll, ich verdiene es glücklich zu sein und ich freue mich darauf, was die Zukunft mit sich bringt. Trotz all der wunderbaren Menschen lerne ich, das Alleinsein zu genießen und als Möglichkeit zu betrachten mich weiterzubewegen, zu wachsen. Nur so kann ich mich geliebt fühlen. Denn im Endeffekt ist jede Möglichkeit zur Hilfe eine Art Selbsthilfe.

Beipiele aus aller Welt

Es gibt auch viele berühmte Persönlichkeiten, die Geschichten zu Missbrauch in ihrer Kindheit publik gemacht haben, wie zum Beispiel Micheal Jackson, Oprah Winfrey und Pamela Anderson. Eine detaillierte Liste mit mehreren Namen sowie weiterer Information finden Sie hier!